Ecuador | Tag 15 | Die große Karfreitagsprozession in Quito

La procesión de Jesús del Gran Poder

Quito zeigt sich während der Osterwoche, der Semana Santa, von seiner spirituellen Seite. Eine Woche lang gibt es unzählige religiöse Feierlichkeiten. Den Höhepunkt bildet schließlich die große Karfreitagsprozession durch Quito - La procesión de Jesús del Gran Poder.

Sie tragen schwere Kreuze, Kakteen und Stacheldraht auf blanker Haut oder hüllen sich in Cucuruchos, der lila Kleidung mit einer langen spitzen Kapuze, die nur die Augen freilässt. Einige tausend Ecuadorianer nehmen an der Prozession durch die Altstadt teil, um Buße zu tun. Einige bestrafen sich selbst, sie schlagen sich mit Peitschen auf den Rücken.


Seit 1961 findet die Prozession jedes Jahr in Quito statt, die Tradition gibt es jedoch bereits seit dem 16. Jahrhundert. Man gedenkt dem Leiden Jesu auf seinem Kreuzweg. Die Prozession ist ein großes Spektakel, das unzählige Besucher anlockt. Bereits mehrere Stunden vor der Prozession sichern sich Einheimische und Touristen die besten Plätze entlang der Strecke durch die Altstadt. Niemand will etwas verpassen, alle wollen die Jesus-Statue aus der Iglesia de San Francisco sehen, die am Ende des Prozessionszugs durch die Straßen getragen wird.


Es dauert lange, bis alle Prozessionsteilnehmer die Kirche San Francisco verlassen und sich auf den Straßen der Altstadt formiert haben. Unwissende würden meinen, die Prozession hätte begonnen. Doch tatsächlich formieren sich die Teilnehmer ganze zwei Stunden, um dann durch die Straßen zu ziehen. Es ist laut, die Leute staunen und reden lautstark, viele sind ergriffen. Doch plötzlich wird es kurz still und die ecuadorianische Nationalhymne ertönt. Voller Inbrunst singen Teilnehmer und Besucher mit.
Dann startet der eigentliche Prozessionszug. Eine scheinbar endlose Menschenmenge zieht durch die Straßen. Die lila Cucuruchos säumen das gesamte Bild. Zwischen ihnen Teilnehmer mit schmerzerfüllten Gesichtern. Sie tragen schwere Kreuze, binden sich Kakteen auf den Rücken. Manche tragen dicke schwere Eisenketten um die Fußgelenke. Man sieht ihnen an, wie schwer der Weg ist.
Am Ende des Prozessionszugs bilden vier große Statuen aus der Kirche San Francisco den krönenden Abschluss.

 

Maria wird am meisten verehrt. Als ihre Statue vorbeigetragen wird, ist die Ehrfurcht zu spüren. Während sich die ganze Zeit laut unterhalten wurde, ist es auf einmal ruhig. Viele beten, manche haben Tränen in den Augen. Immer wieder werfen Frauen Rosenblätter auf die Statue. Man bekommt unweigerlich Gänsehaut in diesem Moment.


Als letzte Statue wird Jesus durch die Straßen getragen, extrem bewacht durch unzählige Polizisten. Es bildet sich schnell ein Pulk neben und hinter der Statue. Jeder möchte Jesus begleiten und niemand weicht auch nur einen Millimeter von seiner Seite. Der Andrang gleicht beinahe einer Massenpanik. Sie schieben sich weiter durch die engen Gassen – und werden einige Stunden später doch unbeschadet wieder an der Iglesia de San Francisco ankommen. Glückselig, dass sie den Weg geschafft haben.

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